Die Brennerbande, Teil 19


"Was meinst du damit: 'Du hast es gesehen'? Warst du bei ihr? Was hast du da gemacht?" Walter, sonst eher still, war oft der Vehementeste, wenn es um Waldes Sicherheit ging. Walde sah ihn nur groß an, ohne jedoch zurückzuweichen.

"Lass sie! Siehst du nicht, dass sie Angst hat?" Walmo fauchte seinen jüngern Bruder an, daran waren alle gewöhnt. Es war jedoch selten, dass es so ungerecht war wie dieses Mal. Denn keiner konnte irgendwelche Angst in Walde erkennen.

Walter machte einen Schritt von Tiscio weg und beugte sich zu Walde herunter. "Was hast du denn gesehen?"

"Es war ein Mann mit einer Melone. Er kam aus dem Ingen."

"Wann war das?"

"Heute abend, als ihr noch bei der Arbeit wart."

Die Jungs sahen sich an. Hatten sie die kleinen im Stich gelassen, weil sie den unnützen Weg zu den Brennern gemacht hatten?

"Dann war es ein Ritter."

"Hast du keine Ohren am Kopf? Er kam aus dem Ingen. Glaubst du, ein Ritter würde sich in den Ingen trauen?"

"Wo warst du, Walde, als der Mann kam?" Walmo versuchte ruhig zu bleiben, aber der Gedanke, dass seine Schwester nur knapp der Entführung entgangen war, ließ ihn erzittern.

"Im Bett. Ich muß dann doch im Bett sein." Walde klang fast empört.

Die Jungs sahen sich an. Malandro verdrehte die Augen und Skimir machte diese drehende Handbewegung in der Nähe des Kopfes, die unter jungen Männer schnell zu Prügeln führen konnte. Tiscio stand einfach nur zwischen seinen Freunden und war sich noch nicht sicher, was er denn von Waldes Worten halten sollte.
Ihre Brüder hingegen, die unter normalen Umständen ebenfalls am Verstand ihrer Schwester gezweifelt hätten, reagierten vor allem auf Malandro und SKimir.
"Brennt euch gerade eine Glocke durch?" Walmo schubste Tiscio, so dass er auf die beiden anderen zustolperte.
"Hey, willst du dir eine Einfangen?"
"Von dir? Bild dir nichts ein." Walter blieb etwas hinter seinem Bruder, der schon seine Hände für die Schlägerei hob.
"Wenn ihr glaubt, dass meine Schwester spinnt, dann gebe ich eher dir eine!"
Malandro zog Tiscio an der Schulter etwas zurück: "Hör mal, Walde hat gesgat, dass sie im Bett lag, wie soll sie dann einen Mann vier Häuser weiter sehen?"
"Keine Ahnung, aber sie spinnt nicht!" die Worte Walters waren so laut ausgefallen, dass sich einige der Erwachsenen zu ihnen umdrehten.
"Vieleicht hat sie ja geträumt?" Nun wandte sich Malandro dem kleinen Mädchen zu: "Hast du vielleicht geträumt?"
"Nein. Ich habe ihn gesehen, im Kopf." Jetzt schienen auch ihre Brüder irritiert zu sein. Walters Spannung löste sich und er blickte zu ihr herunter.
"Erzähl keinen Quatsch, wenn du dir die Sachen nur ausdenkst."

Kleine Mädchen haben manchmal eine seltsame Macht über große Jungs, vor allem, wenn die großen Jungs sie eigentlich nicht ernst nehmen. Deswegen blickten die fünf großen sie auch erschrocken an, als sie ihre Hände in die Hüften stemmte und sie mit funkelnden Augen anblickte.
"Ich habe mir das nicht eingebildet. Vilet hat mir gesagt, dass die Sachen, die ich so sehe, wahr sind. Vilet ist meine Freundin und wenn ihr sagt, dass sie lügt, dann seid ihr ganz doll doof."

Die Kinder aus der Feldstrasse